Catherine Tate a.k.a the Offensive Translator gets company
Das nette Multisprachtalent, das sich anschickt, all die fehlenden Dolmetscher spontan zu vertreten, bekommt Gesellschaft. Diesmal ist die Situation etwas entspannter. Auch das Thema ist allgemein gehalten: Kein "financial reporting" und keine all zu eindeutigen Aussagen ("this is not my sandwich"). Dafür aber neue Sprachen: Deutsch (just for starters), Russisch, Chinesich, Portugiesisch... Konsekutiv kongenial. Aber hören Sie selbst:
Druckfehler groß geschrieben
Als vor einigen Jahren die Europäische Qualitätsnorm für Übersetzungsdienstleistungen EN 15038 erschien, entflammte unter Übersetzern und Dolmetschern eine heftige Diskussion vor allem im Zusammenhang mit dem so genannten Vier-Augen-Prinzip. Wider Erwarten bedeutet dieser Grundsatz kein vertrauliches Zwiegespräch unter vier Augen oder, wie man im Russischen sagt, s glasu na glas (Auge in Auge), das vom Dolmetscher ein Höchstmaß an Vertraulichkeit erfordert. Nein, das Vier-Augen-Prinzip setzt voraus, dass sich mindestens zwei Personen an einer Übersetzung beteiligen, wenn diese Übersetzung in Übereinstimmung mit EN 15038 erstellt wird. Das eine Paar Augen kontrolliert das andere, 2nd look, double check, dual control...
Bei den vielen Argumenten pro et contra ging es meistens darum, dass, sollte sich dieses Prinzip durchsetzen, die Folgen nicht nur für die Qualität der Übersetzung, sondern auch für den Preis, die Laufzeit des Auftrags usw. bis zur Ausführbarkeit des Auftrages zu spüren wären. Dabei blieb häufig übersehen, dass allein der explosionsartige Zuwachs an leicht zu erstellenden Publikationen aller Art für eine sorgfältigere Kontrolle spricht. Bedenkt man dazu, dass immer mehr Texte per copy and paste produziert und immer mehr Übersetzungen maschinell gefertigt werden, so findet man immer weniger Einwände gegen eine zweite Person zur Kontrolle. Oder überhaupt gegen eine Person, denn der erste „Übersetzer“ hat heutzutage oftmals gar keine Augen. Erst im Falle eines zweiten Übersetzers (zuständing für das Post-editing von maschinell übersetzten Texten) handelt es sich von einer menschlichen Person.
Meine These ist, dass das Vier-Augen-Prinzip sich schon aus diesem Grunde durchsetzen sollte. Auch trotz oder eher wegen der Verwendung von Übersetzungssoftware (CAT oder TEnT). Andernfalls drohen uns immer mehr Fehler. Inhaltsfehler, Druckfehler, Flüchtigkeitsfehler, welch Fehler auch immer...
Neulich in Russland entwickelte ich meine These über das Vier-Augen-Prinzip als künftiger „Selbstläufer“ im Gespräch mit einer russischen Kollegin und erwähnte Zeitungsüberschriften und Großplakate, die von Druckfehlern nicht verschont geblieben sind. Nun sei die Neonreklame dran. Und tatsächlich, nur ein Tag später, als ich im Flughafen Moskau-Sheremetyevo auf meinen Flug wartete, fiel mein Blick auf das Leuchtschild vor dem Duty-Free-Shop. Ich dachte, ich übertreibe, aber schauen Sie sich bitte diese fesche Aufmachung selber an:
Sploschnaja Illuminazija, wie die russische Übersetzung des Titels des Romans „Everything Is Illuminated“ (auf Deutsch „Alles ist erleuchtet“) von Jonathan Safran Foer lautet...
Es wird also immer Arbeit für Übersetzer geben, wenn auch „nur“ auf den zweiten Blick! Zugegeben, anfangs stand auch ich etwas skeptisch dem Vier-Augen-Prinzip gegenüber. Allmählich wechsele ich innerlich die Seite. Skeptisch ja. Noch. Aber immer weniger.
“Of the truths that translation teaches”
Das neueste Buch von David Bellos (“Is That a Fish in Your Ear? – Translation and the Meaning of Everything”, Faber & Faber, New York, 2011) gehört in die Kategorie Populärwissenschaft. „Populärwissenschaftliche Literatur zielt nicht auf Wissenschaftler, sondern vielmehr auf den interessierten Laien ab... Bei den Verfassern populärwissenschaftlicher Literatur handelt es sich in der Regel um Wissenschaftler oder Wissenschaftsjournalisten“, so Wikipedia. Damit stellen wir eins von vornherein fest: Das Buch handelt von Übersetzungen und Sprachen und ist von einem Übersetzer (auch Wissenschaftler, denn David Bellos unterrichtet Französisch und Komparative Literatur an der Princeton-Universität und ist Leiter des Princeton-Programms Übersetzung und Interkulturelle Kommunikation) geschrieben. Zugleich ist das Buch weniger für professionelle Übersetzer/Dolmetscher gedacht, sondern vielmehr für alle, die sich für Übersetzungen und Sprachen interessieren.
Diesen „interessierten Laien“ bietet das Buch eine Menge an aufklärenden, unterhaltsamen und zum Denken anregenden Informationen. Dazu gehören zahlreiche facts and figures über exotische Sprachen, Sprachgebräuche und allerlei sprachliche Idiosynkrasien. Was das Wort „Barbar“ ursprünglich für die Griechen bedeutete und warum Deutsche auf Russisch „nemcy“ heißen? Mit den gelieferten Erklärungen kann man durchaus bei Wer wird Millionär punkten, aber auch ernstere, historische Ausführungen tragen zur Verbesserung des allgemeinen Wissensstands bei.
Dazu zählt die Geschichte des Simultanübersetzens, die auf den Nürnberger Prozess zurückgeht. Oder die Beschreibung der Arbeitsweise der Generaldirektion Übersetzung in der EU sowie Beispiele kniffliger Interpretationen von juristischen Formulierungen für und wider des Angeklagten, je nachdem welcher Sprachversion der EU-Regelung der Richter sich bedient. Auch amüsante, bereits anekdotisch gewordene Geschichten über translatorische Schwierigkeiten während politischer Auftritte (Stichwort Nikita Chruschtschow) fehlen nicht in diesem Buch.
Naturgemäß spielt das Thema Humor in der Übersetzung bzw. die Frage, ob sich Humor übersetzen lässt, eine wichtige Rolle im Buch, in dessen Titel schon eine humorvolle Frage steht. Unter vielen Beispielen ist mein Favorit David Bellos’ eigene Übersetzung der ironisch-parodistischen Visitenkarte, die der Held des Romans von Georges Perec im Schaufenster eines Pariser Geschäfts entdeckt:
Adolf Hitler
Fourreur
Das französische Wort
fourreur bedeutet Pelzhändler bzw. Kürschner,
entspricht aber zugleich der französischen Aussprache
des deutschen Worts „Führer“.
Die englische Übersetzung dieser joke visiting
card von David Bellos lautet:
Adolf Hitler
German Lieder
Auch wenn das Buch, wie ich
anfangs schrieb, weniger für professionelle Übersetzer
und Dolmetscher gedacht ist, so finden language
professionals hier doch jede Menge wertvolle,
aufschlussreiche Erkenntnisse und Informationen.
Zugegeben, die Problematik der Übersetzung von
Gedichten (Strophenform, Reim, Metrum usw.) zieht am
Übersetzer technischer Dokumentationen vorbei. Jedoch
haben viele Themen, die das Buch behandelt, eine
universelle, logisch-philosophische Relevanz.
Zum einen betrifft es die Rolle und den Stellenwert der
Übersetzung in der Kultur. Interessant ist die
Differenzierung zwischen translation UP und
translation DOWN, aber auch das Thema Sinn
oder Bedeutung, das eigentliche Thema dieses Buches
(“Translation and the Meaning of Everything”), wird
hier sehr geistreich und innovativ behandelt. So z.B.
wie die Übersetzung hilft, selbst das vermeintlich
Unaussprechliche des Originals zu durchleuchten und zu
verstehen (“one of the truths of translation – one of
the truths that translation teaches – is that
everything is effable”).
Zum anderen sind es David Bellos’ Thesen zum Thema
Kontext. Deren populärwissenschaftlicher Charakter
schmälert in keinster Weise den inhaltlichen Wert
dieser Ausführungen im engen beruflichen Sinne.
“Translation means translating meaning.” Und: “Any
piece of language behavior, even a simple request for
coffee, acquires a different meaning when its context
of utterance is changed”.
Das Beispiel mit der französischen Übersetzung des
finales Satzes “It’s complicated” in einem
amerikanischen Film als „Pas si simple!“ (und nicht
„C’est compliqué“) hätte mir sicherlich geholfen, als
ein Unternehmensberater, für den ich mal dolmetschte,
mich fragte, warum ich häufig, wenn es um „kleine
Unternehmen“ im Deutschen geht, im Russischen eher
«небольшое предприятие», also „nicht-großes
Unternehmen“ sage.
All die Kollegen, die sich vor der Zunahme maschineller
Übersetzungen fürchten, würden sich in ihren Sorgen
nach der Lektüre des Kapitels über Google Translate
bestärkt fühlen. Ohne dieses Buch hätte ich nicht
gewusst, dass die Grand Challenges of the 21st
Century, wie diese in der Science Policy
Roadmap der US-Administration formuliert sind,
neben billigen („wie Wandfarbe“) Solarzellen und
intelligenten Prothesen auch die Entwicklung von
“automatic, highly accurate and real-time translation
between the major languages of the world – greatly
lowering the barriers to international commerce and
collaboration” vorsieht.
Zwei “truths about translations”, die in diesem Buch
offenbart sind, finde ich besonders wichtig. Die erste
Wahrheit betrifft sowohl Kontext als auch den
Adressaten: “Translators do not translate Chinese
kitchen recipes ‘into English’. If they are
translators, they translate them into kitchen recipes”.
Was der US-amerikanische Dichter C.K. Williams über
Poesie sagt: “You don’t translate poetry into ‘English’
but into poetry”, sollte eigentlich als Gebot für alle
Übersetzungen gelten. Eine deutsche Betriebsanleitung
ins Russische zu übersetzen bedeutet diese
Betriebsanleitung nun für den russischen Adressaten zu
erstellen.
Die zweite Wahrheit ist David Bellos’ Antwort auf die
Frage, was in der Übersetzung verloren geht. Um im
populärwissenschaftlichen Genre zu bleiben, verzichte
ich auf einen Exkurs zum Thema Denotative und
konnotative Bedeutung (auch wenn der Begriff
connotation in diesem Buch mir doch fehlte).
Hier die abschließenden Worte des Autors: “If you’re
looking for the ineffable, stop here. It’s blindingly
obvious. It’s not poetry but community that is
lost in translation. The community-building
role of actual language use is simply not part of what
translation does. But translation does almost
everything else. It is translation, more than speech
itself, that provides incontrovertible evidence of the
human capacity to think and to communicate thought. We
should do more of it.”
Make or buy? Verwaltungssoftware in eigener Regie
Für alle, die auf der Suche nach Auftragsverwaltungs- bzw. CRM-Software für Übersetzer und Dolmetscher sind, hier ein aktueller Tipp:
Da die neueste, 10. Version von TOM (Translator’s Office Manager) momentan nur als TOM Agentur/Team verfügbar ist, verkauft Jovo-Soft (Joachim Voigt Translation & Software aus Berlin) die abgespeckte Vorgängerversion für Einzelübersetzer bzw. Freiberufler (Solito) zu ca. 70 €. (Ich schreibe bewusst "ca.", weil der Preis auf der deutschen Seite von Jovo-Soft mit 75 € angegeben ist, auf der englischen aber mit 65 €. Es lohnt sich also, auf das britische Fähnchen auf der Startseite zu klicken.)
Das Angebot ist, wie die Website verlauten lässt, zeitlich begrenzt, sprich bis zum Aktualisieren auch der Freiberuflerversion. Der wesentliche Unterschied zwischen Agentur/Team und Solito besteht darin, dass die Struktur der Solito-Datenbank eine Kategorie vermissen lässt, nämlich (andere) Übersetzer/Lieferanten (der Einzelübersetzer arbeitet per Definition allein bzw. will kein Geld ausgeben, um seine Kollegen in die Datenbank einzutragen). Der Unterschied zwischen den Versionen 9 und 10 wird ausführlich erklärt, meines Erachtens deutet es aber auf einige Verschlimmbesserungen hin. Als Verschlimmbesserung bezeichne ich vor allem die grundsätzliche Tendenz, jede neue Softwareversion mit immer weiteren Funktionen und Optionen zu befüllen, anstelle das Programm einfacher und überschaubarer zu gestalten. Wenn all die unzähligen Features schon in der Beschreibung nicht in meinen unmittelbaren Nutzen „übersetzt“ werden (d.h. was nutzt mir z.B. zu wissen, dass die Benutzeroberfläche ab jetzt noch mehr Aufklappmenüs hat?), befürchte ich die Gefahr, dass der software vendor nicht nur einen Marketingfehler begeht, sondern womöglich auch die Bedürfnisse der Zielgruppe nicht richtig erkannt hat.
Bei der Menge von Tabellenzellen und Feldern, die erwarten, von mir ausgefüllt zu werden, wenn ich z.B. einen Kunden oder einen Auftrag erfassen möchte, muss ich unwillkürlich an die im Fernsehen immer wieder gefeaturten Ärzte denken, die angesichts des von Ihnen geforderten verwaltungstechnischen Aufwands keine Zeit mehr haben, sich um Patienten zu kümmern.
Auch die neuen, vermeintlich nützlichen Funktionen, wie die automatisierte Kommunikation (Sammelmail an mehrere Übersetzer oder automatisch generierte Terminerinnerungen mit einem Standard-Text, der in >Ben.Einst. >Formulare >E-Mail-Templates >ÜbAuftr (!!!) definiert wird – viel Freude damit!), sind meiner Meinung nach eher kontraproduktiv für die (häufig wechselseitigen und – noch wichtiger – noch menschlichen) Beziehungen zwischen Kunden und Lieferanten.
Wie auch immer, es kommt etwas Bewegung in das Marktsegment Verwaltungssoftware für Übersetzer. Wenn LinguiProfi immer noch mit den „aktuellen Neuigkeiten“ vom November 2010 wirbt (Vergünstigte Version für Berufseinsteiger... Sie sind selbständig und haben eine gültige Gewerbeanmeldung... (!!!) Die Anmeldung Ihres Gewerbes (?!) liegt nicht länger als zwei Jahr (genau, „zwei Jahr“, richtig gelesen) zurück...), wenn auch LinguAss , ein sehr sympathisches, wohlgemerkt, Softwareprodukt, nicht weiter entwickelt wird, ist das Erscheinen einer neuen Version von TOM schon ein bemerkenswertes Ereignis! Was denn nun? Make or buy?
Für mich persönlich war das Entscheidende, dass TOM ein auf die Bedürfnisse eines Übersetzungsbüros zugeschnittene FileMaker-Template darstellt. Wenn man also einigermaßen technikaffin ist, warum nicht gleich das „Original“ (FileMaker) nehmen und nach seinen Bedürfnissen anpassen. Es gibt auch vielfältige freie, customizable Templates, u.a. FM Starting Point von Richard Carlton Consulting Inc. (Bild oben), die im Grunde die gleiche Funktionalität bieten. Nichtsdestotrotz ist TOM Solito in der aktuellen, 9. Version, eine klare Kaufempfehlung, zumal man auch die kostenlose Testversion 30 Tage lang ausprobieren kann. Das die Software zu diesem Preis (65 €? 75 €?) als „nicht upgradefähige Lizenz“ angeboten wird, würde ich in Kauf nehmen.
This title will be released on October 25, 2011.
A recent “article of note”, in the terminology of Arts and Letters Daily, focusing on Haruki Murakami on the eve of October 25, the release date of his monumental 1Q84 in the US (I never realized the book was not officially existing until today, considering many, and in many languages, pirate e-book versions already available on the Internet), contains the word “translator” (or its derivatives) not once, but quite a few times. It appears both natural and remarkable that translation as such would deserve being repeatedly mentioned in an article on a translated book. However, it is not specifically the translation of the book which Sam Anderson, the author of “The Fierce Imagination of Haruki Murakami” in New York Times refers to when writing about (and interviewing) the enigmatic Japanese writer.
“The relationship … is far more complicated than I ever could have guessed from the safe distance of translation”. “The act of translation — shuttling from one world to another — …is in many ways the key to understanding Murakami’s work.” “You could even say that translation is the organizing principle of Murakami’s work: that his stories are not only translated but about translation.” Yet, it was another instance of the key word “translator” which drew my attention and sort of got me going.
“Murakami speaks excellent English in a slow, deep voice. He dislikes, he told me, speaking through a translator.”
In my own experience, he is certainly not the only one. Quite often, when doing an interpreting job, I hear the starting apology of the person I translate for (negotiator, lecturer, presenter…) about his/her not speaking the language of the counterpart, thus having, regrettably, to resort to an interpreter. There is a certain consolation to reflect that each profession results from the need to compensate for deficiencies and insufficiencies of the others (was it not Plato who observed that the division of labor lies in the natural inequality of humanity?), but nevertheless… It is certainly not unusual to dislike something you can do only through a proxy. So, if you earn money as a principal’s proxy, how to cope with the principal’s dislike (i.e. justify yourself, for this matter)?
The answer may be not far to seek. “When Murakami sat down to write his first novel, he struggled until he came up with an unorthodox solution: he wrote the book’s opening in English, then translated it back into Japanese. This, he says, is how he found his voice.” “(Murakami’s) entire oeuvre, in other words, is the act of translation dramatized”. It might sound a little bit artsy, but I am growing fond of the word “transcreation”. It is certainly the added value when it comes to something outside the mere need to overcome constraints and deficiencies of somebody who just doesn’t speak the language of his/her audience. Actually, transcreation is something that I have been doing for many years, not necessarily only when working with advertising or PR agencies. (Remember the slogan “Better than the original”.) It is something which boosts your morale or gives you some justification, if you need to guard yourself against likes and dislikes of your customers.
Well, no need to dramatize things. Our reality is far more prosaic. Another quotation from the above article brings me back to facts and figures: “Some bookstores are planning to stay open until midnight on (the) release date, Oct. 25. Knopf (the publishing house) was in such a hurry to get the book into English that they split the job between two translators, each of whom worked on separate parts.” Split the job… Such a hurry… Worked on separate parts… Sounds more familiar, doesn’t it?
“What is it they steal?”
Diese krimimäßige Frage in der Überschrift stellt sich vor Protagonisten eines empfehlenswerten Buchs (kein whodunit, kein Krimi), das ich in diesem Blog kurz vorstellen möchte.
Selbst wenn ich mich mit einem Buch rein privat beschäftige (als Leser oder Hörer, denn ich gehöre zu den Fans von Hörbüchern, Audible & Co.), so ist es für mich als Übersetzer immer interessant, die Übersetzung mit dem Original zu vergleichen, soweit gleich mehrere – am liebsten eine deutsche, eine englische und eine russische – Fassungen vorhanden sind. Außerdem finden sich häufig genug Parallelen zwischen der beruflichen und privaten Realität. Das Buch, das ich in diesem Blog erwähnen möchte, stellt so einen Fall dar.
Selten nimmt das Übersetzen so einen wichtigen Platz in einem Roman ein, selten tauchen so häufig (verziehen sei der Widerspruch) Dolmetscher (dazu noch bei der Ausübung ihres Berufs) als Protagonisten auf. (So befasst sich z.B. der Übersetzer in „Perlmanns Schweigen“, die Hauptfigur eines ebenso wunderbaren wie spannenden Romans von Pascal Mercier, eher mit kognitiven Wissenschaften und Psychologie, als mit dem eigentlichen Übersetzen.)
In „The Thousands Autumns of Jacob de Zoet“ von David Mitchell (so heißt das Buch, das mir das obige Zitat als Überschrift lieferte), werden nicht nur Übersetzer, sondern auch das Übersetzen als solches thematisiert. Es geht um einen jungen Holländer, der im Auftrag einer Handelsgesellschaft 1799 nach Japan reist, um wegen des Verdachts von Diebstählen und Korruption unter seinen Landsleuten auf der fernen und dazu noch stark von der ganzen Welt abgeschlossenen Insel zu ermitteln. Dabei lernt er unter anderem sich mit und ohne Hilfe von Dolmetschern zu verständigen, verliebt sich, erlebt, entdeckt und erfährt vieles, worum es in diesem spannenden Entwicklungsroman, Abenteuerroman, historischen, philosophischen Roman oder einem Roman über die Liebe, je nach Betrachtungsweise, geht …
Es vermischen sich die Genres genauso wie Stimmen, Sprachen und Kulturen. Insbesondere wegen verschiedener sprachlicher Eigenarten – Aussprachen und Akzenten – ist das englische Hörbuch besonders empfehlenswert. Dem Sprecher Jonathan Aris gelingt es, verschiedene Akzente und Idiosynkrasien – Holländisch, Japanisch, Malaiisch und natürlich Englisch, mit allen möglichen archaischen „methinks” und „ay“ – so wiederzugeben, dass man sich zuweilen wie ein Dolmetscher auf internationalen Konferenzen fühlt, wo die englischen native speakers (insbesondere die aus Irland oder Schottland) am schwierigsten zu verstehen sind.
Vor ein paar Monaten schrieb ich in diesem Blog über Audiomedien, die mir hilfreich erscheinen, das Simultandolmetschen zu trainieren und sich zu einem Dolmetschereinsatz vorzubereiten. Einige Dialoge aus „The Thousand Autumns“ als Hörbuch eignen sich bestens dazu.
Und so wiederum bereiten sich die Dolmetscher zu ihrem Einsatz in diesem Buch selbst vor, so recherchieren sie nach der Bedeutung fremdartiger Begriffe, unter denen der Begriff „Hanseatisch“ zu den schwierigsten zählt:
Each interpreter has a list of items that evade the Guild’s collective understanding. These he reads out, one by one, and Jacob explains as clearly as he can, with examples, gestures and synonyms. The group discusses an appropriate Japanese substitute, sometimes testing it on Jacob, until everyone is satisfied. Straightforward words such as ‘parched’, ‘plenitude’ or ‘saltpetre’ do not detain them long. More abstract items such as ‘simile’, ‘figment’ or ‘parallax’ prove more exacting. Terms without a ready Japanese equivalent, such as ‘privacy’, ‘splenetic’ or the verb ‘to deserve’ cost ten or fifteen minutes, as do phrases requiring specialist knowledge – ‘Hanseatic’, ‘nerve-ending’, or ‘subjunctive’. Jacob notices that where a Dutch pupil would say, ‘I don’t understand,’ the interpreters lower their eyes, so the teacher cannot merely explicate, but must also gauge his students’ true comprehension.
Die in der Überschrift gestellte Frage betrifft Jacobs Ermittlungen im Zusammenhang mit Macht, Betrug und Korruption. Dazu tragen auch die in diesem Roman vorkommenden Dolmetscher bei. Interessanterweise wird die Frage nach Macht und Korruption der Dolmetscher in einem Interview von Leonard Lopate mit David Mitchell auf WNYC (New York Public Radio, The Leonard Lopate Show) so aufgeworfen:
Leonard Lopate: It is interesting that Japanese interpreters are some of the most powerful people on the island and also the most corrupt. Because having the ability to translate between the two cultures gave them also some form of political power…
David Mitchell: It does. Language IS power…
Alles in allem, ein großes, spannendes Buch voller Sprachmacht und starker Bilder. Die deutsche Übersetzung ist noch nicht erschienen (Stand: Oktober 2011). Auch die russische Übersetzung fehlt, obwohl drei andere Bücher von David Mitchell (unter anderem „The Cloud Atlas“) ins Russische schon übersetzt sind. In den russischsprachigen Rezensionen auf „The Thousand Autumns“ wird der Name „Jacob de Zoet“ in verschiedenen kyrillischen Schreibweisen transkribiert. Ich bin gespannt, welche Entsprechung die verschiedenen sprachlichen Eigenarten, Akzente und Aussprachen in der künftigen russischen Übersetzung finden werden.
NO-vember im Sommer
Je mehr Möglichkeiten zur Automatisierung, desto notwendiger die Kontrolle. Dieser triviale Erkenntnis fiel mir neulich wieder ein bei der Übersetzung von so aktuell gewordenen Verhaltensregeln, die viele Firmen für ihre Mitarbeiter neuerdings einführen, verfassen, aufstellen oder, wie in meinem Fall, übersetzen lassen, wenn die entsprechenden corporate behavior codes in den US-amerikanischen Zentralen bereits vorhanden sind und jetzt für die Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern angepasst werden sollen. Übrigens erwarte ich, dass wie demnächst mit einer Welle von englischen Begriffen gerade aus diesem thematischen Bereich konfrontiert werden. Ähnlich vorhersehbar tauchten in den deutschen Medien vor ein paar Jahren nur leicht eingedeutschten Versionen von excellence und gentrification auf, die zwar eigene, wenig fremdsprachlich klingende Pendants in der deutschen Sprache haben, in einem gewissen Zusammenhang aber besser mit Exzellenz oder Gentrifizierung ausgedrückt werden können: „Exzellenzinitiaven an deutschen Hochschulen“, „Yuppies gegen Gentrifizierung auf St.Pauli“ (warum nicht „Wölfe für Vegetarier“, gäbe es auch Fans)...
Ich bin gespannt, welche moderneren Vokabeln z.B. die schnödere „unternehmerische Verantwortung“ ersetzen. Oder ob der Begriff compliance eine deutschsprachige Entsprechung findet? Momentan gibt es in der deutschen Pharmabranche bestimmt mehr Personen, die als compliance officers und nicht als Richtlinienbeauftragte (die die Einhaltung der Konzerngrundsätzen überwachen) gelten. Wie auch immer, ausgerechnet solche Begriffe und solche Verhaltensregeln übersetzte ich in diesem verregneten Sommer, aus dem Englischen ins Russische, als mir diese Erkenntnis („je mehr Möglichkeiten zur Automatisierung, desto notwendiger die Kontrolle“, siehe oben) einfiel. Lesen Sie mehr...
Blogumzug
Unser Blog zieht um. Ab sofort finden Sie ihn als "Anmerkungen des Übersetzers" unter http://tomarenko.com. Vielleicht wird das Design in den nächsten Wochen noch getuned und getweaked, vielleicht ändern sich noch Titel und Slogan. Alles ist in Bewegung und so haben wir auch kurzerhand unsere Facebook-Seite neu erstellt. Das Feedback zum neuen Blog ist much appreciated! Über Wordpress, einer Blogging-Software, die selbst von Microsoft den eigenen Nutzern empfohlen wird, möchte ich hier nicht viele Worte verlieren. Mir als Übersetzer fiel es schon immer eher schwer, Komplimente, oder noch schlimmer, russische Trinksprüche, zu übersetzen. Schauen Sie sich bei Gelegenheit mal unseren neuen Blog an. Über Ihre Kommentare würden wir uns freuen.
InDesign for Translators: a review
A lonely „honesty book shop“ in Fjaerland – Mundal, Norway, where used books are put for sale at 10 Norwegian krone (€1,25), with no seller in sight (July 2011, © Valerij Tomarenko).
“I definitely want my money back!” This was the first thought which sprang to mind, after I, upon long deliberation, finally signed up for Chris Phillips’ e-book , downloaded the PDF and had a thorough look at it. As of late, I was often asked to help a translation agency with InDesign jobs – preparing InDesign files, importing the translations into InDesign and readjusting the layout afterwards. I am no novice in the field of desktop publishing, I used to work with QuarkXPress quite a lot until the early 2000s and then moved on along with some clients from the advertising and publishing industry to InDesign. I acquired some practical skills but remained largely self-taught and hence slightly insecure, which in my case was probably a side effect of this learning-by-doing process.
In hindsight, I guess, this made me susceptible to the kind of sales pitch on the indesign4translators site. Although I never experienced any serious problems when working in InDesign in the limited capacity of a translator, the impressive list of problems stated there (sleepless nights... missed deadlines... wasted hours...) might have been effective. It is representative of an “insurance agent’s pitch”, which first dwells on all kinds of dangers only to offer the right indemnity protection that, up to now, you somehow inexplicably managed to do without. The Russian word for insurance (strakhovaniye) stems from “fear” (strakh) and, in my opinion, conveys very well the essence of this approach. The pitch is also a variation on the “buy now or regret later” theme. As is often the case with this theme, “or” very rapidly turns to “and”, so “buy now or regret later” becomes “buy now AND regret later”.
Well, I regretted almost immediately having bought this PDF, but still didn’t claim my money back. Instead, I had another thorough look and found out that the tutorial actually exactly lives up to what the pitch promises. The problem is rather what the ad omits to describe. So what, precisely, is this “ONLY GUIDE YOU’LL EVER NEED...”, to cite the claim of its author?
It is a PDF file of 69 pages, sparsely populated with lines and screenshots. Some 6,000 word per 69 pages, approximately 90 words per page – as a translator, you can easily do your own maths and get a picture. The price is not €27 (“a special release promotion” instead of €37), but €27 plus tax which amounts to €32.13. To continue with the figures, which the website keeps silent about, the tutorial features InDesign CS2/CS3 and SDL Trados 2007, so not exactly the latest versions.
Now what is the content about? It is about how to open a file in InDesign (if you ever double clicked on a file, you already know a lot), checking the file, making some changes if need be and exporting the file in INX format for processing with TagEditor. I still have the old training materials by Jerzy Czopik (SDL Trados Training 2007 in Budapest). This half a page by Jerzy Czopik:
roughly corresponds to some 30 pages of Chris Phillips’ indesign4translators tutorial. It is “a step-by-step guide”, after all. The remaining pages are about the guide itself (“Thank you for choosing InDesign for Translators (A step by step guide to preparing InDesign files for translation)”), the InDesign workspace, master pages and layers. At the end of the PDF tutorial, you will find a short list of CAT tools (as of 2007), a word on getting help and two last blank pages. This sums up Mr Phillips’ 69 pages strong manual, still promoted as the “latest news” at his corporate site (“Chris Phillips launches his book InDesign for Translators – a step by step guide to preparing Indesign files for translation”).
I really don’t want to indulge in sarcasm and, conceivably, I am not the target group for Chris Phillips’ tutorial. Moreover, I feel very positive about Mr Phillips. I think he is very good at marketing, with his talent for precise descriptions and a hand at delivering a smart sales pitch. In fact, I’d rather have Mr Phillips on my side. I’d rather see him describe, advertise and sell something for me, not to me.
If you want to know what happened next after I published this review here and posted a link to it on the Proz website, please continue to the UPDATE (click on Lesen Sie weiter... below). Lesen Sie mehr...
Dolmetschen für und bei Andronaco
Wenn man als Dolmetscher unterwegs ist, vermischt sich manchmal das Berufliche mit dem Privaten. Diesmal hatte ich das Vergnügen, als Dolmetscher das Unternehmen kennen zu lernen, das ich als Kunde schon seit Jahren gut kenne.
Eine Gruppe von usbekischen Führungskräften, die im Rahmen des Programms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) einen einmonatigen Trainingskurs „Fit for Partnership with Germany“ in Deutschland absolvierte, kam nach Hamburg, um unter anderem Andronaco GmbH & Co. KG zu besuchen. Buongiorno e benvenuti! In der Hamburger Zentrale trafen wir auf Vincenzo Andronaco, der sein Grande Mercato als ein wahres Stück Italien präsentierte. Eine spannende Geschichte eines italienischen Einwanderers, der vor vielen Jahren aus einem kleinen sizilianischen Ort abgehauen war und, mit nur zwei DM in der Tasche, nach Hamburg kam. Nachdem er in der Hansestadt hier und da und auch im Hafen gearbeitet hatte, machte er später einen kleinen („vier Quadratmeter“) Lebensmittelladen in Hamburg-Billbrook auf und leitet nun einen bundesweit operierenden Filialbetrieb für italienische Lebensart. Solche Geschichten zu übersetzen macht Spaß! Aus erster Hand, quirlig, lebendig, gefüllt mit Witz und Weisheiten. So wie die wichtigsten Management-Ratschläge für die usbekischen Führungskräfte: „immer mit beiden Füßen auf der Erde bleiben“ (sempre coi piedi per terra) und „konstante, konstante, konstante“. Und noch eins. Selbst wenn der Maestro sich mittlerweile als Andronáco vorstellt, die richtige Betonung, wie die echten Kenner wohl wissen, bleibt Andrónaco. Bestätigt höchstpersönlich und eins zu eins übersetzt.
Mensch gegen Maschine, Folge 2
Vor einigen Wochen erreichte uns die folgende Email:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Frage richtet sich nicht direkt an Ihre Übersetzer-Kompetenz in obigen Sprachen,
sondern an Fragen der Kommunikationshilfe.
1. Person: Muttersprache Deutsch, keine Russischkenntnisse
2. Person: Muttersprache Russisch, keine Deutschkenntnisse
Kommunikationssprache: Englisch, beiderseits mäßige Kenntnisse.
Erwünscht ist anspruchsvolle Kommunikation.
Kennen Sie Geräte-Übersetzer (z.B. Franklin) mit guten Eigenschaften?
Über eine Antwort würde sich freuen...
Normalerweise zögere ich etwa, auf Anfragen zu reagieren, die sich an anonyme „Damen und Herren“ gerichtet sind oder mit einem freundlichen Hallo oder Guten Tag gleich Dutzende andere, manchmal sogar unter CC in einer alphabetischen Reihe offen aufgeführte Empfänger begrüßen. Nebenbei bemerkt, werden solche Rundschreiben in letzter Zeit immer mehr. Je höher man bei Google-Treffern platziert wird, desto häufiger wird man mit „Damen und Herren“ oder „Guten Tag“ angesprochen. Eine singuläre Erscheinung stellte bis jetzt nur ein britischer Kunde dar. Dieser, höflich wie die Briten sind, bat um „apologies für the mass email format“. Das ist, allerdings, tatsächlich nur nebenbei bemerkt.
Lesen Sie mehr...
Und wie klingt Bill Murray auf Deutsch?
Als hauptberuflicher Übersetzer und Dolmetscher gegen Übersetzungen per se aufzutreten, mutet sich vielleicht etwas merkwürdig an. Gestern, beim Lesen der Süddeutschen Zeitung, fiel mir der Briefkasten eines befreundeten Werbegrafikers ein, der mit dem Aufkleber „Keine Werbung“ scheinbar gegen Interessen der eigenen Zunft vorzugehen versuchte. Es mag zumindest kontraproduktiv für jemand in diesem Metier erscheinen, sich gegen Übersetzung und für das Original einzusetzen, nichtsdestotrotz fühlte ich mich gestern berufen, diesen bescheidenen Beitrag zur Unterstützung Peter Claessens’ Artikel in der Süddeutschen Zeitung zu leisten.
Der niederländische, neuerdings in Köln lebende Autor Peter Claessens thematisiert die obligatorische, allgegenwärtige Nachsynchronisierung fremdsprachiger Filme im deutschen Fernsehen: "So schön die deutsche Sprache auch sein kann..., es bedeutet für mich eine Verarmung, keine anderen Sprachen mehr zu hören, seit ich in Deutschland wohne."
Der Artikel von Peter Claessens im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (Montag, 9. Mai 2011) heißt „De Niro klingt doch auf Deutsch viel besser“ (You’re talkin’ to me? Sehnsüchte eines Niederländers im vollsynchronisierten Deutschland) und bringt so ziemlich auf den Punkt, was ich (kein Niederländer) angesichts des fehlenden Originaltons im deutschen Fernsehen empfinde, seitdem auch ich in Deutschland wohne.
Vor über zwanzig Jahren, noch bevor ich aus Russland nach Deutschland zog, hörte ich zum ersten Mal über diese deutsche Unsitte, sämtliche ausländischen Filme zu synchronisieren, von einem Kollegen aus der Schweiz. Mit Stolz und einem gewissen Patriotismus erklärte er mir damals, dass die Schweizer in ihren Kinos im Unterschied zu den Nachbarn im Norden stets das Original zu hören bekommen. Mag sein, dass „die deutsche Stimme von De Niro“ in der Tat viel besser klingt, von meinen englischen Kollegen hörte ich schon was anderes in Bezug auf Nicholas Cage oder viele Sprachwitze, die in der Übersetzung und Nachsynchronisierung spurlos verschwunden sind.
Ich glaube aber nicht, dass es ausgerechnet die Ausländer sind, die diesbezüglich so empfindlich reagieren. Ich kenne genug Deutsche "ohne Migrationshintergrund", die die HBO-Serien, die sich Six Feet Under (klingt etwa auch dieser Titel nicht auf Deutsch viel besser: „Gestorben wird immer“?) oder In Treatment auf DVD anschauen, nicht nur um auf Werbeeinblendungen zu verzichten, sondern das „Echte“, sozusagen the real McCoy zu erleben.
Das gilt nicht nur für fiction, auch faction ist im deutschen Fernsehen vom Zwang, alles zu übersetzen, nicht verschont geblieben. Immer „quatscht eine deutsche Stimme durch den jeweils sprechenden Japaner, Franzosen, Amerikaner oder Chinesen hindurch, sodass man beide nicht mehr richtig versteht, nur eine Art Stimmenbrei hört“, schreibt der Autor vom Artikel. (Die billigen russischen Übersetzungen von ausländischen Filmen sind übrigens noch schlimmer, da "quatschen" immer zwei Stimmen über den Originalton - eine männliche für alle männlichen Rollen und eine weibliche für alle weiblichen.) Die Untertitel setzen sich nur marginal durch, sei es arte oder solche „the-medium-is-the-message“-Erscheinungen, wie der Auftritt von John Malkovich in der (in letzter Zeit am Rande der Belanglosigkeit stehenden) Harald Schmidt Show.
Es ist schön zu wissen, dass der Bedarf an Übersetzungen immer da ist, es ist erfreulich, wenn auch die Qualität der Übersetzung geschätzt wird. Es wäre aber richtig und an der Zeit, über die Entmündigung des Zuschauers und des Zuhörers durch das ständige, unausweichliche, unfreiwillige Übersetzen von allen und allem im deutschen Fernsehen zu debattieren. Keine Debatte über die Übersetzung als solche, sondern über die Angemessenheit der Übersetzung, genauer genommen, die Angemessenheit des immer noch fehlenden (und viel vermissten) Originaltons.
Kommentar v. Peter Claessens,
Autor des Artikels „De Niro klingt doch auf Deutsch viel besser“, 11.05.2010:
Danke vielmals für die Reaktion, Herr Valerij Tomarenko. Übersetzungen von Büchern sind manchmal nützlich, ich bin eben auch Übersetzer. Im Fernsehen, im deutschen Kino hat man keine Wahl, das ist entmündigend. Deutsche Fernsehfilme machen, die in Italien oder Burkina Faso, oder Moskau, spielen, wo jederman aber Deutsch spricht, ist lächerlich. Günter Rohrbach fand, dass man der 'stillschweigenden Hinnahme dieser Barbarei' ein Ende setzen soltte. Es verkenne die Mehrsprachigkeit der Wirklichkeit.
Herzliche Grüsse,
Peter Claessens
Flüsterdolmetschen? Simultanübersetzen?
„Alle Sprachdienstleistungen aus einer Hand“. Ist dieser optimistische Universalismus wirklich ein Alleinstellungsmerkmal in der Übersetzerbranche? Wenn man sich als Übersetzer und Dolmetscher bei ProZ registriert, bieten sich diverse Möglichkeiten an, sein berufliches Profil einzugrenzen und bestimmte Dienstleistungen an- bzw. abzuwählen: translation, interpreting, editing/proofreading, post-editing, transcription, desktop publishing, website localization, voiceover (dubbing) usw. Lange Zeit hielt ich eine so verzweigte Differenzierung für etwas künstlich, denn die meisten mir bekannten Kollegen machen ja „alles“. Zugegeben, es gibt Nur-Dolmetscher, die Übersetzungsanfragen und –aufträge selbst von bereits bestehenden Kunden grundsätzlich ablehnen, auch wenn der Kunde sich darüber wundert: Bei den Verhandlungen mit ausländischen Partnern hat sich der Dolmetscher als hervorragender Sprachmittler erwiesen, beide Seiten auch in Fachfragen wunderbar unterstützt, kennt sich mit der Materie und jetzt auch mit der Firma bestens aus, warum dann nicht auch den Vertrag im Anschluss zu den erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen übersetzen? Weil man halt Dolmetscher ist und kein Übersetzer, so die Antwort. Es gibt auch gute Übersetzer, die keine Dolmetschaufträge annehmen, weil sie z.B. nicht gerne reisen oder als kompromisslose Profis bevorzugen, lieber „im stillen Kämmerlein“ gründlich zu recherchieren, als sich spontan mit der anfangs unbekannten Terminologie auseinanderzusetzen. Die Gründe können ja vielfältig sein... Lesen Sie mehr...
Von Яndex lernen
Zwar habe ich mir im letzten Blogeintrag (Beatbox, oder kennen Sie das schon lange?) vorgenommen, demnächst über etwas Sinnvolleres (zumindest über eine sinnvollere Website oder ein Programm) zu schreiben. Der kostenlose Internet-Service, den ich hier kurz vorstellen möchte, verdient aber auf jeden Fall erwähnt zu werden, wenngleich die Informationen, die man dadurch erhält, alles andere als sinnvoll sind.
Die Geschichte ist wie folgt. Diejenigen, die mit DTP / Layout usw. zu tun haben, kennen den so genannten Blindtext. Das ist nämlich Text, den man als Platzhalter im Layout verwendet, wenn der eigentliche Text noch nicht vorliegt. „Er besteht aus einer mehr oder minder sinnlosen Folge von Wörtern, oft auch nur aus wortähnlichen Silbenfolgen“, so Wikipedia. Als Klassiker gilt Lorem ipsum (kein richtiges Latein, klingt aber so). Seit einiger Zeit bediene ich mich eines komfortablen und kostenlosen Blind Text Generator, wenn z.B. die eigentliche Übersetzung noch nicht fertig ist, die Seiten müssen aber vorformatiert werden. Da wir meistens ins Russische übersetzen, fehlte mir nämlich ein russischer, mit kyrillischen Buchstaben geschriebener Blindtext. Auf der Suche nach einem passenden Dummy Generator entdeckte ich den Referat-Service von der beliebten russischen Suchmaschine Яndex.
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Beatbox, oder kennen Sie das schon lange?
Und nun ein kleines Glossar (wie immer: russisch – englisch – deutsch) zu einer kleinen, sinnlosen Webseite, die immerhin mit unserem Beruf – Übersetzen und Dolmetschen – mächtig zu tun und auch ein mächtiges PR (in diesem Fall keine public relations, dafür aber ein PageRank, und zwar von 8!) hat. Es handelt sich um Google Translate. Und es handelt sich um Beatbox, die Seite, wegen der dieser Google-Übersetzer wahrscheinlich mit am häufigsten aufgerufen wird. Kann sein, dass Sie den Google-Übersetzer-Service zur Genüge kennen, kann sein, dass Sie diesen Service aktiv verwenden, kann auch sein, dass Sie die Maschinelle Übersetzung an sich (machine translation, MT) missachten oder gar verachten (100% MT-free, wie ein Kollege stolz behauptet). Kann auch sein, dass Sie, im Gegenteil, den Google Tranlsate Plug-in in Ihre neueste Übersetzer-Software – SDL Trados oder MemoQ – bereits integriert haben. Was auch immer Sie von Google Translate halten, in Bezug auf diese Seite werden wir wahrscheinlich alle einig sein: Die ist sinnlos. Aber witzig, wie so manches, was der Google-Übersetzer produziert. Wenn Sie aber diese Seite noch nicht kennen oder zumindest die Google-Translate-Funktion noch nicht verwendet haben, um ausgerechnet ... Lesen Sie mehr...
Anm. des Übers.
„Den Elefanten habe ich nicht gesehen!“, sagt man im Russischen, wenn das eigentliche Highlight übersehen wird. Der Autor dieses Spruchs, Iwan Andrejewitsch Krylow (1769 – 1844), gilt als der bedeutendste Fabeldichter (bzw. Übersetzer von Fabeln von Äsop und Jean de La Fontaine) in der russischen Literatur. Viele seiner Verse sind in Russland zu Sprichwörtern geworden, so wie auch diese letzte Zeile aus dem Gedicht „Die Kunstkammer“ (die deutsche Übersetzung von Hans Baumann lautet „Der Wissbegierige“). Im Englischen spricht man vom „elephant in the room“, wenn das Offensichtliche ignoriert, übersehen oder aus irgend einem Grund nicht erwähnt sein sollte. Dieser sprichwörtliche Elefant fiel mir neulich ein, als ich den Artikel von Bianca Blüchel, Übersetzerin und BDÜ-Kollegin aus Rheinland-Pfalz, in der Februar-Ausgabe des Infoblatts von ADÜ (assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland e.V.) las.
Der Artikel unter dem Titel „Notizmanagement auf dem PC“ ist der erste Teil einer angekündigten, dreiteiligen Reihe, die Übersetzern und Dolmetschern einen Überblick über Software-Lösungen im Bereich Notizen verschaffen soll. Dieser Software-Bereich ist vielleicht nicht so prominent, wie CAT Tools (SDL Trados, WordFast, MemoQ usw.) oder Programme zur Verwaltung von Kunden, Aufträgen usw. (CRM für den Übersetzer), spielt aber auch eine Rolle, wenn es weniger um Glossare oder Terminologie-Datenbanken geht (dafür gibt es wiederum spezielle Programme), mehr aber um einfachere Hilfsmittel, Informationen zu sammeln und so zu handhaben, dass sie beim Übersetzen oder Dolmetschen behilflich sein können.
Zugegeben, von den meisten im Artikel genannten Shareware-Programmen habe ich nicht gehört. Die werden auch nicht so schnell gefunden, wenn man z.B. nach „notes management software“ oder „free note software“ googelt. Bei einem vorgestellten Programm (CUEcards) steht 2005 für das Jahr der aktuellen Version, das andere Programm (Scribble Papers) ist ebenso, wie die Rezensentin so charmant schreibt, „mittlerweile leicht angestaubt und könnte etwas gefälliger werden“. Diese Marginalität wäre halb so schlimm, im Gegenteil, sogar eher wertvoll, wenn es sich bei den genannten Software-Raritäten um echte Insider-Geheimtipps handelte. Inwiefern solche Tipps noch aktuell sind, sei dahingestellt. Objektivitätshalber, finde ich, sollte aber auch der Elefant unter den Notiz-Programmen nicht übersehen bleiben. Lesen Sie mehr...
Tricky Translations: Gross oder klein?
In das Guinness-Buch der Rekorde sollte, so finde ich,
Deutsch aufgenommen werden und zwar nicht nur wegen des
längsten Wortes (Donauschiff...), sondern auch als die
Sprache mit den meisten Großbuchstaben. Die anderen
Sprachen, in denen alle Substantive (Nomina,
Hauptwörter) großgeschrieben werden, sind im Repertoire
unseres Übersetzungsbüros jedenfalls bis jetzt noch
nicht vorgekommen. Wie sieht es aber mit „Gross oder
klein“ im Russischen aus? Ein paar Fälle möchte ich
heute unter die Lupe nehmen.
Zunächst einmal die Höflichkeitsform. In den beiden
Sprachen (sowohl deutsch, als auch russisch) wird die
höfliche Anrede mit der Pluralform „Sie“ gebildet.
Allerdings bleibt das „Sie“ in der russischen
Schriftsprache groß nur dann, wenn man eine
Einzelperson anspricht. Bei der schriftlichen (oder
auch online im Internet) Anrede von mehreren Personen
bzw. wenn kein bestimmter, namentlich bezeichneter
Adressat genannt wird, gilt die Regel: klein
schreiben. So lauten z.B. die offiziellen Empfehlungen des
V.V. Vinogradov-Instituts für Russische Sprache der
RAW (Russische Akademie der
Wissenschaften)...
Simultandolmetschen: "In den Fluss kommen"
Konferenzdolmetschen ist wie Schwimmen: Um das Schwimmen zu lernen, muss man ins Wasser. Um das Simultandolmetschen zu trainieren, soll man sich in die Dolmetscherkabine begeben. Und, ähnlich wie beim Sport, ist Mentales Training angesagt. Wie man sich auf einen Dolmetschereinsatz am besten einstellt, um „in den Fluss“ zu kommen, darüber steht leider nicht viel in der einschlägigen Fachliteratur (auch in den bereits klassischen Büchern von Lynn Visson, z.B. "From Russian into English: An Introduction to Simultaneous Interpretation").
Zum Simultandolmetschen auf einer internationalen Konferenz bereite ich mich häufig so vor, in dem ich bilinguale Textquellen oder entsprechende Audioaufnahmen ausfindig mache. Hier ein paar kurze Tipps aus eigener Erfahrung, welche Medien, zumindest bei ganz allgemeinen Thematiken, dabei hilfreich sein können. Lesen Sie mehr...
Locales
Ich mag locales. Ich definiere mich über locales. Locales vermitteln das Gefühl: Hier geht man differenziert und differenzierend vor. Hier wird man ernst genommen, hier darf man wählen, hier wird gewählt. Locales sind professionell, locales sind cool. In 99% der Fälle brauche ich keine locales.
Wenn Sie immer noch nicht wissen, was diese coolen locales sind: hier kurz Auskunft. Im engen Sinne (also wirklich sehr eng definiert) sind locales länderspezifische Anpassungen, die man bei SDL Trados vornehmen kann (vornehmen muss), wenn man z.B. eine Translation Memory anlegt. Grob gesagt, mit SDL Trados (mit den anderen CAT-Tools kenne ich mich weniger gut aus) kann ich nicht aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen, ich muss zunächst die locale, also die Sprachlokalisierung definieren. Ich muss als „source language“ entweder English (Australia) oder English (Belize) oder English (Canada) oder English (Caribbean) oder English (Ireland) oder English (Jamaica) oder English (New Zealand) oder English (Republic of the Philippines) oder English (Trinidad and Tobago) oder English (South Africa) oder English (Zimbabwe) oder English (United Kingdom) oder English (United States) wählen. "English (India)" ist nicht dabei und einfach „English“ oder „English (International“) gibt es bei SDL Trados nicht. Für Deutsch ist es einfacher: Hier kann (muss) ich mich zwischen Austria, Germany, Liechtenstein, Luxemburg und Switzerland entscheiden. Zum Glück übersetze ich meistens ins Russische, meine Muttersprache, und hier bei Trados gibt es nur eine locale: Russian (Russia). What else?
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Das Unwort des Jahres (sprachkritische Aktion)
„Zur Bosheit des Tages“ (на злобу дня), heißt es im Russischen, wenn man lediglich etwas wie „aus aktuellem Anlass“ oder „tagesaktuell“ sagen will. Die heutige (18.01.2011) „Bosheit des Tages“ ist die Wahl des deutschen Unwortes des Jahres. Diesmal ist es „alternativlos“. Zu diesem Unwort (im Russischen антислово, Antiwort) standen, so die Nachrichtensender, unter anderem auch die russischen Medien, 1123 Alternativen zur Wahl. Es ist schon witzig, dass die Sprache, in der sich das Wort „Wahl“ so charmant mit der Qual reimt, auch das Fehlen jeglicher Wahl brandmarkt. So ist halt die deutsche Sprache, die Sprache der Dialektik, die Sprache der Philosophie...
Und, wenn der aktuelle Anlass auch etwas Anlass zum Sinnieren bzw. Philosophieren gibt, google ich in den nächsten Tagen nach, ob Renata Salecl etwas zur deutschen Wahl würde gesagt haben. Die slowenische Philosophin aus dem Kreis von Slavoj Zizek (der sich mit der modernen Philosophie auskennt, weiss Bescheid!), ist nämlich Autorin eines der beeindruckendsten philosophischen Bücher, die im Jahre 2010 erschienen sind. Unter dem Titel „The Tyranny of Choice“ verbirgt sich eine raffinierte und stellenweise außerordentlich witzige Analyse, wie „das spätkapitalistische Beharren auf die Wahl“ (late capitalist insistence on choice) die Illusionen grenzenloser Möglichkeiten der Selbstverwirklichung (endless possibilities to find fulfillment in life) und damit auch zunehmende Angst- und Schuldgefühle hervorruft.
Tja, schade, dass das Buch zum übersetzen (ins Russische) unseres Wissens nicht ausgeschrieben ist, sonst würden wir uns sofort melden. Also wirklich: keine Chance, alternativlos oder wie?
Am Meer: Etwas Geschichtliches
(Kurische Nehrung, Litauen, Grenze Russland – EU, August 2010)
Mein neuester Beitrag zum öffentlich geführten Online-Wörterbuch Multitran, den ich noch am letzten Tag des vorangegangenen Jahres hinzufügte, hatte mit Meer zu tun. Multitran ist eine Internet-basierte Wörterbuch-Sammlung, die unzählige Glossare und Foren für die russische Sprache umfasst und daher eine wertvolle Informationsquelle bei der Suche nach passenden Begriffen und Termini bietet. Leider ist sie aufgrund von all zu vielen Beitragen und Übersetzungsvorschlägen, wie so häufig bei Web 2.0-Communities, etwas unübersichtlich geworden und dazu noch, laut knapp sachlicher Auskunft der Wikipedia, „is down quite often“. Obwohl wir, wie auch andere professionelle Übersetzungsbüros, eigene Terminologiedatenbanken pflegen, ist es manchmal schon praktisch, eine treffliche Übersetzung für einen seltenen, in konventionellen Wörterbüchern und Referenzquellen noch fehlenden Begriff, schnell ins Netz zu stellen. So ist der gefundene Ausdruck immer zur Hand, solange der Internetzugang nicht abbricht, und hoffentlich auch für andere Benutzer und Kollegen hilfreich.
Im Falle meines Beitrags vom 31.12.2010 („корабельная сосна“) handelt es sich allerdings um die englische Übersetzung von bei Multitran bereits vorhandenen russischen Begriffen und dazu noch um eine fremde, nicht von mir stammende Variante...
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Neues im Bücherregal
Zugegeben, richtig dicke Bücher, die man liest, um sich beruflich weiter zu entwickeln, sind in letzter Zeit etwas rar geworden. Immer mehr Informationsquellen verlagern sich ins Web 2.0: Blogs, Internet-Foren, Usergroups, Online-Tutorials, Webinars... Um so erfreulicher, dass 2010 unter den Büchern, die man üblicherweise im Bereich Wirtschaft & Karriere oder auch Selbststudium findet, auch neue Titel ausgerechnet für unseren Beruf – Übersetzer und Dolmetscher – erschienen sind. Auf zwei möchte ich hier hinweisen.
Das erste, „Russian Translation: Theory and Practice (Thinking Translation)“ von Edna Andrews und Elena A. Maksimova (Routledge 2010), richtet sich zwar an Studenten und Doktoranten an den (amerikanischen) Hochschulen, ist aber für bereits praktizierende (und auch erfahrene) Übersetzer durchaus interessant. Interessant fand ich vor allem die Mischung aus akademischen, sprachwissenschaftlichen Abhandlungen und vielen praktischen, bilingualen Textbeispielen. Über die Auswahl der zu übersetzenden Texte war ich zwar anfangs verblüfft. Sind die zungenbrechenden phonetischen Dissonanzen, Alliterationen und Palindrome der russischen Avantgarde-Poesie der 20er Jahre aus der Sammlung von Mikhail Gasparow tatsächlich der richtige Stoff für angehende Übersetzer? „The translation exercises in this book are no walk in the park“, dieser Meinung eines Rezensenten von „Russian Translation“ kann ich mich voll anschließen. Gedacht als Übungen, um die komplexe, vielschichtige Semantik der russischen Texte zu verstehen, sind solche Exerzitien am wertvollsten, wenn die beiden Autorinnen ihre akademischen Kommentare mit eigentlichen Übersetzungsergebnissen ergänzen und illustrieren...
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Tricky Translations: "Effektiv" oder "effizient"?
Im Leben eines Dolmetschers gibt es genug knifflige Problemsituationen, bei denen es auf eine schnelle, praktikable Lösung an Ort und Stelle ankommt. Naturgemäß gilt das für das Simultandolmetschen, wenn der Dolmetscher dem Redner parallel, manchmal gar einen Schritt voraus denken und sprechen muss. Aber auch beim Konsekutivdolmetschen wie bei Verhandlungen ist Schlagfertigkeit gefragt, wenn der Dolmetscher z.B. mit Kalauern oder unübersetzbaren Wortspielen konfrontiert wird. Es gibt eben Sprüche und Anekdote, auf die die russischen Geschäftspartner auch bei Verhandlungen im politisch korrekte(re)n Ausland nicht immer verzichten wollen. Bei manchen Witzen fühlt man sich als Dolmetscher nicht nur zum Übersetzen, sondern auch zum Moderieren, vor allem aber zu schnellen Entscheidungen gezwungen oder zumindest stark motiviert: Was nun – alles übersetzen wie es ist (und auch das Risiko in Kauf nehmen, dass der Witz nicht ankommt, nicht verstanden oder – noch schlimmer – nicht als Witz verstanden wird) oder lieber doch etwas abändern, abmildern, mit eigenen Kommentaren und Erklärungen versehen oder – im Extremfall – was eigenes erzählen, um die gewünschte Reaktion des Geschäftspartners (trotz allem) hervorzurufen. Wie man so sagt, Humor ist, wenn man trotzdem lacht...
Neulich fand ich mich in einer ernsteren, durchaus „normalen“ Situation, in der ich etwas scheinbar Unübersetzbares schnell ins Russische zu übertragen hatte. In der deutschen und in der englischen Sprache gibt es einige ähnlich klingende, leicht differierende Begriffe, die allerdings im Russischen nur eine einzige Vokabel als Pendant finden. (Natürlich gilt das auch umgekehrt: Die russische Sprache ist in keinster Weise wortarm, aber auch nicht 100% „wortkompatibel“.) Mit dem Mythos von den unzähligen Eskimowörtern für Schnee hat mein Fall wenig gemeinsam. In dieser Situation galt es, lediglich zwei Begriffe - Effektivität und Effizienz - mit entsprechend differierenden russischen Vokabeln schnell voneinander zu trennen. Dummerweise bieten die meisten deutsch-russischen Wörterbücher (Fachwörterbücher inklusive) in beiden Fällen nur das eine begriffliche Äquivalent... Lesen Sie mehr...
Konsekutiv vs. simultan
Wow! Konsekutiv, dafür aber sieben Sprachen (russisch leider nicht dabei):
Und nun klassisch englisch - deutsch (a little bit sächsisch...):
To interpret? Interpretieren?
Ein großes Fragezeichen für jeden Dolmetscher steht hinter der Frage, wie weit er gehen, sprich: wie viel Freiheit er sich nehmen darf, wenn er merkt, dass das Dolmetschen („interpreting“ im engen „englischen“ Sinne, denn das englische „to interpret“ und das deutsche „Interpretieren“ halte ich für veritable „false friends“ in der Übersetzung) allein nicht nur nicht ausreicht, sondern ja kontraproduktiv, im Extremfall gar sabotierend für die Kommunikation beider Parteien wirken kann. Wäre also das „Interpretieren“ in einem weiter gefassten, „deutschen“ Sinne, d.h. das „Auslegen“, „Ergänzen“ und „Kommentieren“, eher angebracht, um einen richtigen Dialog zu fördern und mögliche Missverständnisse zu verhindern?
Diese Frage stellte ich mir neulich, als ich für eine Delegationsreise hochrangiger russischer Regierungsvertreter und Bildungsexperten auf Einladung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Bonn als Dolmetscher engagiert wurde. Es gibt klassische Fälle, bei denen der Dolmetscher sich gezwungenermaßen mehr Freiheit erlauben muss, um z.B. zwei sich touchierende Begriffe auseinander zu halten, wenn die beiden in der Zielsprache meistens nur eine lexikalische Entsprechung finden. So ist es im Russischen nicht leicht, begrifflich zwischen Zweck und Ziel oder effektiv und effizient zu unterscheiden. Ebenso wenn die englischen, zum Teil synonym verwendeten Bezeichnungen wie leadership und governance, partnership und twinning dazu kommen... Lesen Sie mehr...
Auf Ihrem Weg zum Kunden
Regelmäßig halte ich Seminare vor russisch sprechenden Managern in Deutschland oder Russland über Marketing, Vertrieb oder Unternehmenskommunikation. Oft geht das in englisch, in vielen Fällen aber verläuft ihr-weg-zum-kunden über einen Dolmetscher. Ebenso müssen dann die verwendeten Unterlagen aus dem deutschen oder englischen ins russische übersetzt werden. Und da gibt es doch beträchtliche Unterschiede. Manchmal werden Übersetzungen von PowerPoint- oder auch Keynote-Präsentationen von anonym gebliebenen Mitarbeitern eines Übersetzungsbüros erstellt, die mit der heute gebräuchlichen Übersetzungssoftware keinen Vergleich scheuen (und anscheinend auch um die Wette übersetzen) müssen. In einem Marketing-Workshop muss ich mich aber auf meine Slides, die ich zeige, wirklich verlassen können, genauso wie auf das übersetzte gesprochene Wort. Nur wer sich mit dem Thema, das er übersetzt, wirklich auseinander setzt, kann zuverlässig das richtige Wort in der anderen Sprache finden. Sonst droht die Gefahr, dass die Kommunikation ins leere läuft. Und nicht immer ist das Ergebnis so einer Übersetzung zumindest lustig. Auf einem meiner Workshops mit russischen Seminarteilnehmern, bei dem es unter anderem um Spiral Dynamics ging, habe ich erlebt, wie der Begriff "Entertainer" (im Sinne eines Menschen, der gern kommuniziert und es liebt, von anderen geschätzt zu werden) zu einem schlichten "Künstler", sogar auch „Maler“ mutierte. Oder, auch schön, der Begriff "Unternehmensorganisation" wurde einmal im russischen zu "stark organisierte Unternehmen". Weitere Beispiele solcher Transformationen... Lesen Sie mehr...
Social translators – Konkurrenten, Kollegen, Partner?
Im Zeitalter 2.0 mit einer exponentiell wachsender Generation Cloud wird die alteingesessene Zunft von traditionellen Dolmetschern und Übersetzern von immer wieder neuen Gefahren bedroht. Mit dem Eintritt von global zugänglichen, kollektiven Translation Memories gewinnt auch das Thema Maschinelle Übersetzung (Machine Translation, MT) immer mehr an Ernsthaftigkeit und Aktualität. Ähnlich der MT ist die neue kollektive Intelligenz das wesentliche Merkmal auch einer anderen Gefahrenquelle für den konventionellen Übersetzerberuf, nämlich „social translators“.
Es sind diese heterogenen Gemeinschaften von Internetnutzern, die auf freiwilliger Basis, unentgeltlich, entweder für andere Gleichgesinnte (peer communities) auf einschlägigen Internetforen oder für entsprechende Medien Übersetzungen liefern, weil sie weniger am Geld, sondern mehr am Thema, an Erfahrungen, Kontakten, neuerdings aber auch an Credits (eine Art ehrenvolle Erwähnung) interessiert sind. Gerne sucht man „social translators“ auch im Bereich von crowdsourcing, als Alternative zu beruflichen language service providers... Lesen Sie mehr...
Übersetzung kostenlos...
Dolmetscher gesucht? Jetzt haben Sie ihn gefunden:
Erwartungsgemäß kommt Google Translate (auf www.google.de bzw. www.google.com das Dropdown Menü „Mehr>“ bzw. „more>“ aufklappen, auf „Übersetzer“ bzw. „Translate“ klicken) besser mit der Sprachkombination russisch-englisch, als russisch-deutsch zurecht, bietet aber auch die Möglichkeit an, „eine bessere Übersetzung vorzuschlagen“ (contribute a better translation), was – bei einer immer steigenden Quantität der Nutzung und kontinuierlich wachsenden Datenbanken, unter anderem durch innovative Funktionen und Dienste (z.B. sharing of translation memories and terminology) – auch qualitätive Verbesserungen unweigerlich nach sich zieht. Hier, übrigens, können Sie Übersetzungen durch Google Translate mit Ergebnissen von anderen ebenso kostenlosen und automatischen Online-Übersetzern (Bing und Babelfish) vergleichen.
Interessante Alternativen (sowohl für professionelle Übersetzer, als auch für diejenigen, die einen passenden Satz oder Begriff schnell finden wollen) bieten auch MyMemory, TDA und Linguee. Hier kann man z.B. unzählige, bereits vorhandene menschliche Übersetzungen und zweisprachige Texte durchsuchen, um eine bessere Formulierung mit den gesuchten Wörtern und Ausdrücken zu finden... Lesen Sie mehr...
Übersetzungsfehler zum Schmunzeln
Wo der Übersetzer (ein menschlicher, versteht sich, von maschinellen Übersetzern ist hier noch nicht die Rede) aufgrund von Unaufmerksamkeit etwas übersieht, missversteht, nicht mitdenkt oder sich mit einer Materie nicht genug auskennt, entstehen lustige Fehler. So wie in der russischen Übersetzung von Christian Krachts „Faserland“, wo die Übersetzerin aus dem „türkisen Porsche“ einen „türkischen Porsche“ oder aus dem „FC St. Pauli“ einen „Brasilianischen Fußballclub von Sao Paolo“ produzierte.
Im Laufe meines Berufslebens als technischer Übersetzer, Redakteur, Lektor bzw. Korrektor hat sich schon einiges Witziges bei mir angesammelt, was ich zu überarbeiten oder „nur zur Info“ (meistens ältere, bereits vorhandene russische Übersetzungen) von Kunden bekommen habe. Hier die ersten drei Beispiele zum Schmunzeln... Lesen Sie mehr...
Ärgerliche Druckfehler
Wenn das Erstellen/Übersetzen von Texten und deren Satz nicht aus einer Hand kommen bzw. wenn der gelayoutete Text keine Textrevision/Überprüfung durch Muttersprachler durchläuft, passieren manchnmal merkwürdige Dinge. Insbesondere wenn auch nichtlateinische Zeichen im Spiel sind.. Und ich meine nicht nur die üblichen Druckfehler, unschöne Zeilenumbrüche, falsche, ins Auge stechende Silbentrennung…
Hier mal ein Beispiel in eigener Sache. So sieht mein Eintrag in der aktuellen Grünen Liste des ADÜ (Verzeichnis der Übersetzer(innen) und Dolmetscher(innen) unseres geschätzten Verbandes) mit unserem, bereits bekannten und auch hier im Blog kommentierten Slogan:
Anstelle des russischen Buchstaben [Я] steht in der vom Layouter unbedacht gewählten Kodierungstabelle schlichtweg ein Fragezeichen. Diese Ärgernis wäre leicht zu vermeiden, wenn ein Muttersprachler den bereits gesetzten Text entweder gleich im Layout-Programm oder im PDF hätte überprüfen können. Das einzig Positive daran - ein weiteres Argument für die von uns angebotenen Leistungen - von [A] bis [Я] , alles aus einer Hand, inkl. Satz und Proofreading.
Meine DTP Geschichte
Um eines klar zu stellen: als hauptberuflicher Übersetzer maße ich mir nicht an, mit professionellen Grafik- und Web-Designern in Wettbewerb zu treten. Allerdings mußte ich im Laufe meines Berufslebens reichlich Kenntnisse auch im Bereich Desktop Publishing oder Webdesign mir aneignen, um auf Kundenanforderungen flexibel zu reagieren und die Übersetzungen in einem bereits vorhandenen Design auszuführen. Maßgebend dabei waren immer die Bedürfnisse des jeweiligen Kunden. Die ersten Erfahrungen im Bereich Satz / Layout / DTP habe ich bereits Anfang der 90er Jahre gesammelt durch Kontakte zu der russisch-amerikanischen Firma ParaType, die auf das Entwerfen von Schriftarten (insbesondere kyrillische Fonts) spezialisiert ist. Danach kamen Übersetzungen für die BMW Kundenzeitschrift, das Lufthansa-Magazin und Werbeprojekte von Beiersdorf hinzu, bei denen es das vorhandene Layout und die übersetzten Texte aneinander anzupassen galt. Besondere Erfahrungen mit dem fremdsprachigen Satz habe ich bei der Übersetzung und Gestaltung von Messekatalogen des führenden russischen Messeveranstalters Expocentr oder Reisekatalogen von diversen Touristikunternehmen gesammelt. Viele Jahre lang arbeitete ich an Übersetzungen von technischen Dokumentationen von Dräger Medical, wobei es sich um die Erstellung von komplexen Gebrauchsanleitungen in verschiedenen Sprachen (z.B. englisch, polnisch, tschechisch, schwedisch) handelte. Dies sind nur einige wenige Beispiele... Informieren Sie sich über unsere technischen Möglichkeiten im Bereich Satz / Layout / DTP oder nehmen Sie gleich Kontakt auf!
Beglaubigte Übersetzungen

Historische Siegel der Hansestädte, Hanseatisches Museum, Bergen, Norwegen
(© Valerij Tomarenko)
Ich bin zwar ein vereidigter Übersetzer und kann Übersetzungen beglaubigen, arbeite aber vorzugsweise mit GESCHÄFTSKUNDEN zusammen. Wenn Sie als Privatperson Übersetzung von Ihren persönlichen Urkunden brauchen, „überweise“ ich Sie gerne an meine Kollegen, die auch die beglaubigten Übersetzungen von Personenstanddokumenten (Geburtsurkunden), Diplomen, Schulzeugnissen und drgl. anbieten, z.B. an Zivile Müller (deutsch/russisch/litauisch). Vielen Dank für Ihr Verständnis und Interesse.
Although I am a sworn translator for certifying legal documents, my area of focus is translation for CORPORATE clients. If you as a private person are looking for a translator of your personal documents like birth certificates, diplomas, school certificates etc., I will be happy to re-direct you to my collegues, who also provide certified translation of private documents, e.g. Zivile Müller (German/Russian/Lithuanian). I hope for your understanding and thank you for your Interest.
Хотя я являюсь присяжным переводчиком с печатью, необходимой для заверения юридических документов, наше переводческое бюро работает преимущественно с ФИРМАМИ – корпоративными клиентами. Если Вы как частное лицо ищете переводчика Ваших личных документов – свидетельства о рождении, диплома и т.п., буду рад порекомендовать Вам коллег, предлагающих в т.ч. услуги по выполнению заверенных переводов частных документов, например, Живиле Мюллер (немецкий/русский/литовский). Надеюсь на понимание и благодарю за интерес.
Besser als das Original?
Paradoxerweise fällt eine gute Übersetzung eben durch ihre „Unauffälligkeit“ auf. Wenn der Kunde die Qualität der Übersetzung selbst nicht prüfen kann, ist er auf die Reaktion seines Kunden, des zielsprachigen Adressaten, angewiesen. Und häufig findet die Qualität ihren Ausdruck ausgerechnen im Fehlen einer solchen Reaktion. Denn der Kunde nimmt die Übersetzung nicht als Produkt eines zugrundeliegenden fremdsprachigen Originals wahr, sondern als eine natürlich entstandene, sprachlich "unauffällige" Botschaft. Dass eine gute, natürliche und unauffällige Übersetzung in der Tat die Qualität eines manchen Originals übersteigen kann, läßt sich allerdings schwer beweisen und wäre ohnehin ein problematisches Werbeargument für die translatorische Leistung einsetzen. Die Reaktion des Adressaten ist aber das Entscheidende.
Demnächst mehr... Die testimonials unserer Kunden - und ihrer Adressaten - werden bald zusammen mit den Referenzen erscheinen. Dieser Bereich unserer Website ist, win man schön sagt, under construction...
Warum gerade [Я]?
Der letztere, wohl bekannteste (GOЯKI PAЯK) russische Buchstabe ist entgegen mancher Erwartungen kein typisch r-r-r-rollende „R“, sondern wird als „Ja“ ausgesprochen. [Я] bedeutet lediglich „Ich“ (dem affirmativen „Ja“ entspricht im russischen "Да" (“Da“)) und ist schlichtweg der LETZTE Buchstabe des kyrillischen Alphabets (im griechischen wäre das Omega, im deutschen das Z). „Von [A] bis [Я]“ - steht also für das komplette Spektrum von angebotenen Leistungen um die russische Sprache – Übersetzen, Dolmetschen, Lektorat, Texten, DTP...
Um sich über verschiedene Erfahrungen, Meinungen und Ansichten zum Thema Übersetzen und Dolmetschen zu informieren (von diesem Themenkreis handeln letztendlich unsere Seiten), wählen Sie bitte Blog im Menü links oder klicken Sie einfach hier.