Social translators – Konkurrenten, Kollegen, Partner?
Kommentar von Valerij Tomarenko, 02.09.2010:
Im Zeitalter 2.0 mit einer exponentiell wachsender Generation Cloud wird die alteingesessene Zunft von traditionellen Dolmetschern und Übersetzern von immer wieder neuen Gefahren bedroht. Mit dem Eintritt von global zugänglichen, kollektiven Translation Memories gewinnt auch das Thema Maschinelle Übersetzung (Machine Translation, MT) immer mehr an Ernsthaftigkeit und Aktualität. Ähnlich der MT ist die neue kollektive Intelligenz das wesentliche Merkmal auch einer anderen Gefahrenquelle für den konventionellen Übersetzerberuf, nämlich „social translators“.
Es sind diese heterogenen Gemeinschaften von Internetnutzern, die auf freiwilliger Basis, unentgeltlich, entweder für andere Gleichgesinnte (peer communities) auf einschlägigen Internetforen oder für entsprechende Medien Übersetzungen liefern, weil sie weniger am Geld, sondern mehr am Thema, an Erfahrungen, Kontakten, neuerdings aber auch an Credits (eine Art ehrenvolle Erwähnung) interessiert sind. Gerne sucht man „social translators“ auch im Bereich von crowdsourcing, als Alternative zu beruflichen language service providers. Eine prominente, organisch wachsende social translators community ist z.B. Global Voices.
Für Übersetzer mit mehrjährigen Erfahrungen ist das an sich, ehrlich gesagt, kaum ein neues Phänomen. Schon lange vor dem Internet und dem heutigen allgegenwärtigen networking pflegten wir soziale, freundschaftliche Kontakte zu den anderen Fachleuten und Muttersprachlern, von deren Kenntnissen und Sachverstand man auch beruflich, als Übersetzer und Dolmetscher, gut Gebrauch machen konnte, sei es auf der Suche nach dem richtigen, noch in keinem Wörterbuch registrierten Fachbegriff für eine zu übersetzende Betriebsanleitung oder generell im Umgang mit komplexen, wissenschaftlichen und technischen Themen. Was an diesem Phänomen nun wirklich neu ist, ist dessen Ausmaß. Dank neuer Kommunikationsmöglichkeiten entstehen global verbundene Interessengemeischaften. Die Spannbreite an Themen ist unerschöpflich. Am gleichen Tag, als ich nach meiner Baltikum-Reise im Litauen-Forum.de eine quasi gerade für social translators geschaffene Rubrik „Sprache / Übersetzungen“ entdeckte („Suche Übersetzungen“, „Ich bräuchte mal wieder ne Übersetzung aus dem litauischen“, „Bitte um kurzfristige Übersetzung von etwa 5 Sätzen!“) habe ich mich auch gefragt, wie viele andere, nicht-professionelle „Kollegen“ sich multilingual und übersetzerisch privat mit einem Artikel von Thilo Sarrazin beschäftigen, den ich im Auftrag eines Kunden ins Russische zu übersetzen hatte. Und dabei mich, wie in letzter Zeit immer häufiger, eines der besten russischen Online-Wörterbücher bediente, das mit Hilfe von Beiträgen professioneller und nicht-professioneller Übersetzer, auch eigener Beiträge, immer schneller wächst.
Aber zurück zu den Gefahren. Wie Ethan Zuckermann von The TED Open Translation Project in seinem Interview neulich voraussagte: „In a perfect world we probably wouldn’t notice language at all... Literally, we wouldn’t be aware of what original language the content was in. Our browser would translate it on-the-fly automatically...” Dafür sorgen nämlich unsere social translators und crowdsourced translations... Aber, so Ethan Zuckermann, “social translation is not a panacea. If you’re trying to translate, say, a technical manual for your product; you'd better hire a professional translator. And, if you need to translate something right now, particularly like simultaneous interpretation, those are extremely difficult skill-sets...” Also, um unseren eigenen vorangegangenen Kommentar zum Thema Maschinelle Übersetzung zu paraphrasieren, die Qualität (und auch die Bedeutung) sowohl maschineller als auch sozialer Übersetzungen wird weiter zunehmen, die Qualität (weniger Quantität, aber hoffentlich die Bedeutung) professioneller menschlicher Übersetzer ebenso.
Dazu kommen neue berufliche Aspekte, wie post-editing, für maschinelle sowie „crowdsourced“ Übersetzungen. Die Anzahl an translation review jobs nimmt rapide zu. Selbst wenn man die outsourcing-Politik von großen Übersetzungsagenturen nicht unbedingt unterstützen möchte (möglichst billig unausgegorene Übersetzungsleistungen einkaufen, um sie dann durch hochqualifizierte Übersetzer für einen Bruchteil des übrigen Preises korrekturlesen zu lassen), so ist die Frage, ob diese Abneigung gegenüber crowdsourced translations oder maschinellen Übersetzungen genauso berechtigt ist, nicht so einfach zu beantworten. „It's intriguing to see who will jump into this future opening of providing MT post-editing training”, da sind wir mit Jost Zetzsche von internationalwriters.com einig.
Gefahr hin oder her... Um ein positives Fazit herauszuarbeiten, lassen wir uns noch auf ein Zitat ein: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ (Hölderlin). Jede Gefahr birgt neue Chancen. Auf neue Partnerschaften, ein schärferes berufliches Profil, mehr Spezialisierung und noch höhere Qualität, vielleicht auch auf mehr reviews und post-editing. Es kommt, wie so häufig im Leben, auf die Perspektive an...
Im Zeitalter 2.0 mit einer exponentiell wachsender Generation Cloud wird die alteingesessene Zunft von traditionellen Dolmetschern und Übersetzern von immer wieder neuen Gefahren bedroht. Mit dem Eintritt von global zugänglichen, kollektiven Translation Memories gewinnt auch das Thema Maschinelle Übersetzung (Machine Translation, MT) immer mehr an Ernsthaftigkeit und Aktualität. Ähnlich der MT ist die neue kollektive Intelligenz das wesentliche Merkmal auch einer anderen Gefahrenquelle für den konventionellen Übersetzerberuf, nämlich „social translators“.
Es sind diese heterogenen Gemeinschaften von Internetnutzern, die auf freiwilliger Basis, unentgeltlich, entweder für andere Gleichgesinnte (peer communities) auf einschlägigen Internetforen oder für entsprechende Medien Übersetzungen liefern, weil sie weniger am Geld, sondern mehr am Thema, an Erfahrungen, Kontakten, neuerdings aber auch an Credits (eine Art ehrenvolle Erwähnung) interessiert sind. Gerne sucht man „social translators“ auch im Bereich von crowdsourcing, als Alternative zu beruflichen language service providers. Eine prominente, organisch wachsende social translators community ist z.B. Global Voices.
Für Übersetzer mit mehrjährigen Erfahrungen ist das an sich, ehrlich gesagt, kaum ein neues Phänomen. Schon lange vor dem Internet und dem heutigen allgegenwärtigen networking pflegten wir soziale, freundschaftliche Kontakte zu den anderen Fachleuten und Muttersprachlern, von deren Kenntnissen und Sachverstand man auch beruflich, als Übersetzer und Dolmetscher, gut Gebrauch machen konnte, sei es auf der Suche nach dem richtigen, noch in keinem Wörterbuch registrierten Fachbegriff für eine zu übersetzende Betriebsanleitung oder generell im Umgang mit komplexen, wissenschaftlichen und technischen Themen. Was an diesem Phänomen nun wirklich neu ist, ist dessen Ausmaß. Dank neuer Kommunikationsmöglichkeiten entstehen global verbundene Interessengemeischaften. Die Spannbreite an Themen ist unerschöpflich. Am gleichen Tag, als ich nach meiner Baltikum-Reise im Litauen-Forum.de eine quasi gerade für social translators geschaffene Rubrik „Sprache / Übersetzungen“ entdeckte („Suche Übersetzungen“, „Ich bräuchte mal wieder ne Übersetzung aus dem litauischen“, „Bitte um kurzfristige Übersetzung von etwa 5 Sätzen!“) habe ich mich auch gefragt, wie viele andere, nicht-professionelle „Kollegen“ sich multilingual und übersetzerisch privat mit einem Artikel von Thilo Sarrazin beschäftigen, den ich im Auftrag eines Kunden ins Russische zu übersetzen hatte. Und dabei mich, wie in letzter Zeit immer häufiger, eines der besten russischen Online-Wörterbücher bediente, das mit Hilfe von Beiträgen professioneller und nicht-professioneller Übersetzer, auch eigener Beiträge, immer schneller wächst.
Aber zurück zu den Gefahren. Wie Ethan Zuckermann von The TED Open Translation Project in seinem Interview neulich voraussagte: „In a perfect world we probably wouldn’t notice language at all... Literally, we wouldn’t be aware of what original language the content was in. Our browser would translate it on-the-fly automatically...” Dafür sorgen nämlich unsere social translators und crowdsourced translations... Aber, so Ethan Zuckermann, “social translation is not a panacea. If you’re trying to translate, say, a technical manual for your product; you'd better hire a professional translator. And, if you need to translate something right now, particularly like simultaneous interpretation, those are extremely difficult skill-sets...” Also, um unseren eigenen vorangegangenen Kommentar zum Thema Maschinelle Übersetzung zu paraphrasieren, die Qualität (und auch die Bedeutung) sowohl maschineller als auch sozialer Übersetzungen wird weiter zunehmen, die Qualität (weniger Quantität, aber hoffentlich die Bedeutung) professioneller menschlicher Übersetzer ebenso.
Dazu kommen neue berufliche Aspekte, wie post-editing, für maschinelle sowie „crowdsourced“ Übersetzungen. Die Anzahl an translation review jobs nimmt rapide zu. Selbst wenn man die outsourcing-Politik von großen Übersetzungsagenturen nicht unbedingt unterstützen möchte (möglichst billig unausgegorene Übersetzungsleistungen einkaufen, um sie dann durch hochqualifizierte Übersetzer für einen Bruchteil des übrigen Preises korrekturlesen zu lassen), so ist die Frage, ob diese Abneigung gegenüber crowdsourced translations oder maschinellen Übersetzungen genauso berechtigt ist, nicht so einfach zu beantworten. „It's intriguing to see who will jump into this future opening of providing MT post-editing training”, da sind wir mit Jost Zetzsche von internationalwriters.com einig.
Gefahr hin oder her... Um ein positives Fazit herauszuarbeiten, lassen wir uns noch auf ein Zitat ein: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ (Hölderlin). Jede Gefahr birgt neue Chancen. Auf neue Partnerschaften, ein schärferes berufliches Profil, mehr Spezialisierung und noch höhere Qualität, vielleicht auch auf mehr reviews und post-editing. Es kommt, wie so häufig im Leben, auf die Perspektive an...