Anm. des Übers.

Kommentar von Valerij Tomarenko, 09.03.2011:

Evernote_Blog eines Übersetzers

„Den Elefanten habe ich nicht gesehen!“, sagt man im Russischen, wenn das eigentliche Highlight übersehen wird. Der Autor dieses Spruchs, Iwan Andrejewitsch Krylow (1769 – 1844), gilt als der bedeutendste Fabeldichter (bzw. Übersetzer von Fabeln von Äsop und Jean de La Fontaine) in der russischen Literatur. Viele seiner Verse sind in Russland zu Sprichwörtern geworden, so wie auch diese letzte Zeile aus dem Gedicht „Die Kunstkammer“ (die deutsche Übersetzung von Hans Baumann lautet „Der Wissbegierige“). Im Englischen spricht man vom „elephant in the room“, wenn das Offensichtliche ignoriert, übersehen oder aus irgend einem Grund nicht erwähnt sein sollte. Dieser sprichwörtliche Elefant fiel mir neulich ein, als ich den Artikel von Bianca Blüchel, Übersetzerin und BDÜ-Kollegin aus Rheinland-Pfalz, in der Februar-Ausgabe des Infoblatts von ADÜ (assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland e.V.) las.

Der Artikel unter dem Titel „Notizmanagement auf dem PC“ ist der erste Teil einer angekündigten, dreiteiligen Reihe, die Übersetzern und Dolmetschern einen Überblick über Software-Lösungen im Bereich Notizen verschaffen soll. Dieser Software-Bereich ist vielleicht nicht so prominent, wie CAT Tools (SDL Trados, WordFast, MemoQ usw.) oder Programme zur Verwaltung von Kunden, Aufträgen usw. (CRM für den Übersetzer), spielt aber auch eine Rolle, wenn es weniger um Glossare oder Terminologie-Datenbanken geht (dafür gibt es wiederum spezielle Programme), mehr aber um einfachere Hilfsmittel, Informationen zu sammeln und so zu handhaben, dass sie beim Übersetzen oder Dolmetschen behilflich sein können.

Zugegeben, von den meisten im Artikel genannten Shareware-Programmen habe ich nicht gehört. Die werden auch nicht so schnell gefunden, wenn man z.B. nach „notes management software“ oder „free note software“ googelt. Bei einem vorgestellten Programm (CUEcards) steht 2005 für das Jahr der aktuellen Version, das andere Programm (Scribble Papers) ist ebenso, wie die Rezensentin so charmant schreibt, „mittlerweile leicht angestaubt und könnte etwas gefälliger werden“. Diese Marginalität wäre halb so schlimm, im Gegenteil, sogar eher wertvoll, wenn es sich bei den genannten Software-Raritäten um echte Insider-Geheimtipps handelte. Inwiefern solche Tipps noch aktuell sind, sei dahingestellt. Objektivitätshalber, finde ich, sollte aber auch der Elefant unter den Notiz-Programmen nicht übersehen bleiben.

Wie so trefflich, ist das dem Logo nach tatsächlich ein kleines, sympathisches Rüsseltier. Unter dem deutschen Slogan „Ihr virtuelles Gedächtnis“ und dem englischen „Remember Everything“ (die russische Variante «Помни все» ist von der englischen eins zu eins übersetzt) bietet Evernote einen zentralen Ort, um Notizen (Text, Audio, Video, Webclips...) zu verwalten. Ohne das Programm promoten zu wollen (braucht es auch nicht, ist ohnehin der Marktführer in seinem Genre), möchte ich nur die hervorragende Interoperabilität und die Synchronisierungsmöglichkeiten erwähnen („Von überall abrufen. Evernote funktioniert mit fast jedem aktuellen Computer, Smartphone oder mobilen Gerät.“). Ob im Büro, zu Hause oder unterwegs, die Notizen sind immer dabei, wenn man einen (besser nicht „angestaubten“) PC / Mac / iPhone / iPad / Android / Blackberry / Palm / dabei hat.

Und noch ein anderes kleines Hilfsmittel, das ich im besagten ADÜ-Artikel vermisste und das in diesem Zusammenhang, praktisch und klein, auf der Hand liegt.

Apple Stickies für Übersetzer-Blog

Für Windows-PC gibt es Sticky Notes bei Apple Mac (in den aktuellen Mac OS X Versionen) sind die Notizzettel im Betriebssystem bereits integriert. Seit dem ersten Augenblick, als ich die sympathischen, bunten Zettel auf dem Bildschirm eines Kollegen in der Nachbar-Dolmetscherkabine sah, bin ich ein Fan von Apple Stickies geworden. Insbesondere beim Konferenzdolmetschen, finde ich, ist es extrem hilfreich und praktisch, eine übersichtliche, flexible Kartei mit Fachtermini, spontanen Anmerkungen und Begriffen vor den Augen zu haben (und auch schnell schließen zu können, wenn sie nicht mehr gebraucht werden). Und nun, mit der Erwähnung dieses Tools möchte ich auch meinen Blogeintrag schnell schließen, der sich zur Ergänzung eines aktuellen Artikels in der Übersetzer-Zeitschrift entwickelt hat und eigentlich nicht mehr als eine „Anm. des Übers.“ ist.