Tricky translations

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If you, translator/interpreter, are in search of a Christmas gift for your treasured clients, there is a great book to remind them of yourself and promote our profession. Perhaps you already have this book or at least heard/read about it, it was THE translation book of 2012: Found in Translation: How Language Shapes Our Lives and Transforms the World by Nataly Kelly (@natalykelly) and Jost Zetzsche (@Jeromobot). You will find a lot of info at the dedicated @xl8book site. On the other hand, if you have a translator/interpreter friend or spouse, my pick would be Chris Durban’s The Prosperous Translator or – it doesn’t mean you befriend/date or live with a nerd – Kevin Lossner’s memoQ 6 in Quick Steps or The SDL Trados Studio: The Manual. However, in both cases (as a giver and a receiver), there is another way to explain, in a really fun way, what you do as an interpreter or translator (or don’t do, if it matters).

Today, my Christmas pick a is a small video message. For readers from Germany it probably is „ein alter Hut“ (‘old hat’) which they saw tens of times before, but I am not sure the fame of this great German comedian reached beyond German-language countries. What’s more, you don’t have to understand German (but wait for the German part, the best comes at the end). “Your debtor needs no Russian; we’ll just get the message across”, as the slogan of debt collectors from the famous „Inkasso Team Moskau“ says. If you ever wondered why the word count in the target language is always higher than that of the source one, I beg to disagree – it is not (wait for the end!). Also, in case you are curious about the German sense of humor (the Russians I know always are) or wonder how to grasp the spirit of a language in one spoken sentence, whatever, this is my Christmas video message to you.

Urbi et orbi. Enjoy!

There are more videos on this blog to help you explain what you do (or don’t) in this profession: here and there.

 

Bild für Blog-Artikel Russian Blues

Yves Klein Untitled Blue Monochrome

Als ich vor einigen Jahren umfangreiche technische Dokumentationen für einen Hersteller von Hightech-Medizingeräten übersetzte, bin ich auf einen Kommentar des englischsprachigen Lektors aufmerksam geworden, der die Übersetzung im Auftrag des Herstellers auf terminologische Genauigkeit überprüfte. Die Aufgabe des Lektors war unter anderem sicherzustellen, dass jedem relevanten Begriff des Originals eine einzelne, eindeutige und unverwechselbare Entsprechung in der Zielsprache zugewiesen wurde. Also möglichst bitte keine Synonyme oder Umschreibungen, technische Übersetzer sprechen gerne in so einem Fall von begrifflicher Konsistenz. Der Lektor, der Russisch in der Schule gelernt und seitdem laut eigener Aussage nie verwendet hatte, erinnerte sich daran, dass das Wort рука (ruka) gleich zweierlei bedeutet: Hand und Arm. Das gleiche gilt für нога (noga, Bein und Fuß) und ebenfalls für пальцы (palzy, Finger und Zehen). „One body part in Russian is divided into two parts in English.“ Diese sprachliche Idiosynkrasie nutzte der Lektor als anschaulichen Beweis dafür, dass eine „Eins-zu-Eins-Übersetzung“ selbst in einem möglichst präzisen, technischen Umfeld nicht machbar und nicht sinnvoll ist.

Der Kommentar des Lektors fiel mir neulich auf, als ich ein Radiointerview mit Lera Boroditsky (KQED Radio in San Francisco) hörte. Die US-amerikanische Psychologin ist eine echte Celebrity auf dem Gebiet Cognitive Sciences und Sprachpsychologie. In ihren Experimenten zeigt sie, wie die Sprache das Denken prägt. Ähnlich wie im Falle des menschlichen Körpers setzen verschiedene Sprachen unterschiedliche Grenzen z.B. bei der Wahrnehmung von Farben fest. “In English, there is a word blue, but in Russian there isn’t a single word which describes the whole range of colors that the English call blue. There is instead a separate term for light blue (голубой) and dark blue (синий). And so, Russian speakers are forced by the language to distinguish light shades of blue from dark shades of blue, because they have to call them different names,“ sagt Lera Boroditsly, selbst eine russische Muttersprachlerin, in diesem Interview.

Ein Satz wie z.B. „Drücken Sie die blaue Taste auf dem Bedienfeld…“ lässt sich nicht ohne Weiteres ins Russische übersetzen. Entweder muss ich das Bild vor den Augen haben oder beim Kunden nachfragen, ob es sich um eine hellblaue oder dunkelblaue Taste handelt. Genauso schwer kann man einen russischen Satz, in dem eine nicht näher definierte körperliche Extremität vorkommt, ohne Zusammenhang in eine andere Sprache übersetzen. Die sprachliche Differenzierung bedingt eine notwendige Anpassung und macht eine mechanische „Eins-zu-Eins-Übersetzung“ schlichtweg unmöglich. Language shapes thought: Diese Erkenntnis ist letztendlich ein weiteres Argument für die Unabdingbarkeit eines qualifizierten menschlichen Übersetzers als Mittler zwischen Kulturen ebenso wie ein Argument gegen automatenhafte Verwendung von machine translation und CAT-Tools, die eine „Eins-zu-Eins-Übersetzung“ fördern.

In der Kognitiven Linguistik wird unter anderem untersucht, wie sprachliche Unterschiede unsere Gedanken, Wahrnehmungen und Handlungen bestimmen. So analysiert man zum Beispiel den empirisch festgestellten Unterschied in der Wahrnehmung von Gegenständen, je nachdem, welches grammatikalisches Geschlecht die Begriffe in den jeweiligen Sprachen haben. Borodetskys Experiment mit dem Wort „Brücke“ gehört zu den meist zitierten, da am auffälligsten, Fällen. „Zur Beschreibung einer Brücke, die im Deutschen weiblich und im Spanischen männlich ist, verwendeten die Sprecher des Deutschen Wörter wie „schön”, „elegant”, „zierlich”, „friedlich”, „hübsch” und „schlank”, für Sprecher des Spanischen war sie eher „groß”, „gefährlich”, „lang”, „kräftig”, „solide” und „aufragend” (deutsche Übersetzung des Artikels „How does our language shape the way we think?“ in der Süddeutschen Zeitung, 16. April 2010). Wer selbst hören möchte, welche Adjektive am häufigsten in Verbindung mit die Brücke und el puente genannt werden, dem ist auch Lera Borodetskys Vorlesung im Berkeley Language Center ans Herz zu legen: gleichzeitig unterhaltsam und erkenntnisreich, empfehlenswert auf jeden Fall!

Bis jetzt hielt ich die Kognitiven Wissenschaften für etwas, was meine tägliche Arbeit weniger berührt. Jetzt bin ich eines Besseren belehrt. Oder soll ich sagen – weniger blauäugig?

Maschinelle Übersetzung - machine translation

Vor einigen Wochen erreichte uns die folgende Email:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Frage richtet sich nicht direkt an Ihre Übersetzer-Kompetenz in obigen Sprachen,
sondern an Fragen der Kommunikationshilfe.
1. Person: Muttersprache Deutsch, keine Russischkenntnisse
2. Person: Muttersprache Russisch, keine Deutschkenntnisse
Kommunikationssprache: Englisch, beiderseits mäßige Kenntnisse.
Erwünscht ist anspruchsvolle Kommunikation.
Kennen Sie Geräte-Übersetzer (z.B. Franklin) mit guten Eigenschaften?
Über eine Antwort würde sich freuen…

Normalerweise zögere ich etwa, auf Anfragen zu reagieren, die sich an anonyme „Damen und Herren“ gerichtet sind oder mit einem freundlichen Hallo oder Guten Tag gleich Dutzende andere, manchmal sogar unter CC in einer alphabetischen Reihe offen aufgeführte Empfänger begrüßen. Nebenbei bemerkt, werden solche Rundschreiben in letzter Zeit immer mehr. Je höher man bei Google-Treffern platziert wird, desto häufiger wird man mit „Damen und Herren“ oder „Guten Tag“ angesprochen. Eine singuläre Erscheinung stellte bis jetzt nur ein britischer Kunde dar. Dieser, höflich wie die Briten sind, bat um „apologies für the mass email format“. Das ist, allerdings, tatsächlich nur nebenbei bemerkt.

Bei der obigen Anfrage war mein Zögern aber inhaltlich begründet. Die Anfrage musste ich nochmals lesen. Erst danach leuchtete mir ein, dass der „Geräte-Übersetzer“ eigentlich eher umgekehrt, als „Übersetzungs-Gerät“, zu interpretieren ist. Kein Übersetzer von Bedienungsanleitungen, Spezifikationen und sonstigen technischen Dokumentationen, sondern ein elektronisches Wörterbuch, mit erweiterter Funktionalität zur „Förderung anspruchsvoller Kommunikation“. Ein kurzer Blick auf die Website von Franklin Electronic Publishers bestätigte die Vermutung.

Es mehren sich also die Zeichen, dass der Übersetzer und Dolmetscher, der Mensch in unserem Metier („In der Mitte steht der Mensch“?), immer mehr gegen die Maschine antreten muss. Auch Google Übersetzer war schon mal das Thema dieses Blogs. Es genügt nicht, sich nur mit Software (CAT-Tools, Translation Memories, was auch immer) auseinanderzusetzen, auch Hardware ist gefragt. Zumindest was diese spezielle Anfrage angeht.

Ehrlich gesagt, auf die Anfrage habe ich nicht reagiert, sieht man von dieser verspäteten und womöglich nicht ganz adäquaten Reaktion ab. Haben denn die anderen Kollegen auf die Email geantwortet? Und wie? Würde mich schon interessieren…

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